#wollemitpo – Mulesing, das grausame Leid der Schafe

by Bastel Buddies

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Hast du dich jemals gefragt, wo die Wolle für deine Winterschuhe, deinen kuscheligen Pullover oder auch den Kragen an deiner Jacke herkommt? Die berühmte Merinowolle, die neben Winterkleidung beispielsweise in Outdoor- und Sportbekleidung, aber auch in Anzügen, Stoffwindeln und vielen weiteren Produkten steckt? Klar, vom Schaf! Ist ja nicht schlimm, sterben muss das Schaf ja dafür nicht. Aber vielleicht bittere Qualen erleiden, beim Mulesing!

Tierschutz ist mittlerweile für viele eine Herzensangelegenheit. Das Quälen von Tieren für uns Menschen ist immer mehr Menschen ein Dorn im Auge. Nur gibt es für Tiere auch oft Qualen, von denen die wenigsten Menschen und Käufer bestimmter Produkte wissen. Und ich wette, das Mulesing ist so eine unbeschreiblich grausame Qual, der jedes Jahr zahlreiche Schafe in Australien zum Opfer fallen. Auch für Kleidung, die wir hier kaufen können!

Es begann mit der Fliegenmadenkrankheit

Schafzucht und allgemein die Haltung von Schafen hat in Australien eine lange Tradition. Und ebenfalls lange geht die Annahme um, dass es erstrebenswert ist, Schafe mit vielen Hautfalten zu haben. Je mehr Hautfalten so ein Schaf habe, desto mehr Wolle könne es produzieren. Außerdem wäre die Wolle hochwertiger.

Das führte den gierigen Menschen natürlich dazu, dass man in den letzten Jahrhunderten gezielt Merino Schafe züchtete, die immer mehr dieser Hautfalten hatten. Leider waren diese Schafe dann auch sehr anfällig für einen Befall durch Fliegenmaden. Die Fliegen legen ihre Eier in die Hautfalten der Schafe, weil sie dort für sie ideale Bedingungen vorfinden. Es ist in den Hautfalten warm und feucht. Und am Hintern der Schafe zusätzlich oft noch Kot und Urin in den Falten, worin die Fliegenmaden sich ungehindert vermehren können. Schlüpfen diese Fliegenmaden dann in den Falten, bohren sie sich in die Haut der Schafe, was bei den Schafen wenig später zu  einer Infektion führt. Unentdeckt und unbehandelt können diese Infektionen dann zu großen Schmerzen und sogar zum Tod der Tiere führen.

Dann „erfand“ man das Mulesing

Eine Erfindung möchte ich es nicht nennen, denn das Wort Erfindung ist für mich mit etwas Positivem behaftet. Und das kann man von der grausamen Praktik des Mulesing wirklich nicht behaupten.

John Mules entwickelte als Reaktion auf die immer wieder ausbrechende Fliegenmadenkrankheit in den 1920ern eine nach ihm benannte Praktik, die die Krankheit aufhalten sollte. Es handelt sich aber nicht um eine wirklich durchdachte Methode, sondern schlicht und einfach um die unmenschliche Verstümmelung wehrloser Tiere.

Schnell und kostengünstig werden dabei den Lämmern im Alter von meist 2 bis 10 Wochen bei vollem Bewusstsein die Hautfalten am Po und um den Schwanz herum mit einer scharfen Schere abgeschnitten. Ich wiederhole mich gerne > ABGESCHNITTEN. Dabei werden sie auf dem Rücken liegend auf eine spezielle Metallvorrichtung gespannt, damit sie ihrem grausamen Schicksal nicht entgehen können.

Meistens bleibt nach dieser schmerzhaften und abscheulichen Prozedur faltenfreies Narbengewebe zurück, in das sich keine Fliegenmaden mehr festsetzen können. In den allermeisten Fällen erfolgt entweder gar keine oder eine viel zu niedrige Gabe von Schmerzmitteln, sodass die Schafe einer Prozedur ausgesetzt sind, die qualvoll und entsetzlich ist. Und frei von den Fliegenmaden ist das Schaf auch nicht garantiert.

Mich macht außerdem die Geschichte dieser Sache wütend. Zuerst züchtet man die Schafe so, dass sie möglichst viele Falten ausbilden, damit man mehr mit ihnen verdienen kann. Und wenn das dann auch Nachteile mit sich bringt, schneidet man die Nachteile, in dem Fall die Falten am Po, einfach weg. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Mulesing

Grausame, aber absolut wirkungsvolle Praktik?

NEIN! Denn diese meiner Meinung nach unmenschlich grausame Art und Weise mit den Tieren umzugehen verhindert nicht einmal zur absoluten Sicherheit die Fliegenmadenkrankheit, denn der Befall mit Fliegenmaden kann genauso andere Teile des Schafes befallen. Die jungen Lämmer werden also qualvoll verstümmelt in der Hoffnung, „auf gut Glück“ die Krankheit so zu umgehen. Ist ja nur ein Tier, ist ja nur der Wolllieferant auf 4 Beinen

Die jungen Schafe befinden sich zu dieser Zeit im Wachstum und sind diesem enormen Stress und den unvorstellbaren Schmerzen ausgesetzt. Wir reden hier ja nicht vom Fell, sondern von Hausfalten. Also Gewebe, Nerven, Blutbahnen usw.

Down under – Ein Exot der Gleichgültigkeit

Das Mulesing wird derzeit nur noch in Australien praktiziert. Im Nachbarland Neuseeland ist es gesetzlich verboten, in down under ist es mit oder ohne Schmerzlinderung völlig legal. Eine Katastrophe! Schätzungen zufolge werden jährlich mehr als zehn Millionen Lämmer auf diese Weise verstümmelt.

Grausamkeit 2.0

Und falls ihr gedacht habt, das war schon die ganze Grausamkeit. Nein, da kommt noch mehr.

Es gibt nämlich noch das Freeze Mulesing (Steining/Freeze Branding). Dabei werden die kleinen Lämmer genau wie beim „normalen Mulesing“ auf diese Metallvorrichtung gespannt und fixiert. Nur, dass bei diesem Vorgehen die Haut nicht weggeschnitten, sondern mit flüssigem Stickstoff bearbeitet wird, bis sie schlicht und ergreifend abfriert. Ja, abfriert. Ich weiß nicht, was mich sprachloser macht. Die Haut mit Gewebe und Nerven wegzuschneiden oder gezielt abfrieren zu lassen.

Mulesing 2

Die Tiere leiden auch beim Freeze Mulesing nachweislich lange nach dieser unmenschlichen Prozedur an Schmerzen und bewegen sich daher auch anders als vorher. Durch diese grausame Angelegenheit wird das ganze Hautareal am Po zerstört, die kleinen Lämmer leiden unter Ödembildung, Absonderung von Gewebeflüssigkeit, Schwellungen und Veränderung der Hautfarbe. Die Lämmer weisen während und nach der Verstümmelung einen Anstieg der Herz- und Atemfrequenz sowie eine erhöhte Rektaltemperatur auf. Man versuche sich das nur einmal vorzustellen wie sich das anfühlen mag, wenn gezielt ganze Hautpartien weg gefroren werden. Jeder von uns weiß, wie schlimm es schon ist im Winter mal ohne Handschuhe im Schnee zu spielen. Wie schlimm mag es dann sein, festgeschnallt auf dem Rücken zu liegen und  dieser Prozedur hilflos ausgeliefert zu sein?

© FOUR PAWS

Und die Lösung?

Das Problem kam mit der gezielten Züchtung der Schafe auf, die für mehr Wolle besonders viele Falten ausbildeten. Mittlerweile ist aber belegt, dass das ein totaler Irrglaube war. Mehr Falten bedeuten NICHT automatisch mehr feine Wolle! Es wurden 97 Schafhalter zu dem Thema befragt und es kam heraus, dass das Zurückzüchten der Schafe auf ursprüngliche Rassen keinerlei Einbußen bei der Wollmenge oder Wollqualität mit sich bringt. Eine mulesing-freie Farm von einem Ehepaar aus Tasmanien hat sogar mehrere Male Preise für die feinste Merinowolle der Welt bekommen. Den kompletten Bericht dazu findest du HIER.

Ein möglicher Lösungsansatz ist es also, zurück zu einer „ursprünglicheren Schafzüchtung“ zu kommen, um das Problem des Fliegenmadenbefalls direkt da zu bekämpfen, wo es entsteht. Weniger Falten, weniger Befall!

90 % der feinen Wolle der Bekleidungsindustrie wird in Australien produziert!

Es gibt aber nicht nur schwarze Schafe unter den Wollproduzenten. Es sind bereits einige umgestiegen und haben dem Mulesing abgeschworen. Diese Produzenten geben an, dass der komplette Umstieg etwa 3-5 Jahre dauert. Mehr als 3.000 Wollproduzenten in Australien sind bereits erfolgreich umgestiegen und zertifiziert mulesing-frei. Sie beweisen eindeutig, dass diese grausame Praktik nicht mehr zeitgemäß ist (und menschlich auch nie war!) und dass es auch ohne geht.

Vier Pfoten für #wollemitpo

Die global agierende Tierschutzorganisation Vier Pfoten fordert sowohl die Wollindustrie als auch die Marken, die die Produkte herstellen lassen und später verkaufen auf, sich zum Handeln zu verpflichten und auf Mulesing zu verzichten. Die Marken müssen einen Zeitplan für den Ausstieg aus Mulesing festlegen und das auch öffentlich bekannt machen.

Wenn auch du schon einmal einen Teil dazu beitragen möchtest, bist du herzlich eingeladen die Petition zu unterzeichnen.Schafe Mulesing Beitrag

 

Achte auch du darauf, was du kaufst!

Neben dem Unterzeichnen und der Aufklärung anderer Menschen über das grausame Mulesing kannst du weiter gezielt dagegen halten. Indem du darauf achtest, welche Marken du kaufst, unterstützt du dem Kampf gegen die Verstümmelung der Lämmer. Wenn weniger Menschen die Marken kaufen, die das Mulesing dulden, werden diese irgendwann zum Umdenken gezwungen werden.

Da sich das Mulesing mittlerweile in der ganzen Welt rumgesprochen hat, haben sich bereits zahlreiche internationale Einzelhändler und Marken öffentlich gegen diese Grausamkeit bekannt. Vier Pfoten stellt eine Marken gegen Mulesing-Liste zur Verfügung, die einen Aufschluss darüber gibt, welchen Marken heute schon die Verstümmelung der Schafe nicht egal ist.

HIER FINDEST DU DIE MARKEN GEGEN MULESING-LISTE!

Auf der Aktionsseite von Vier Pfoten #wollemitpo findest du alle wichtigen Informationen über das Thema. Dort findest du auch die Fotos zum Thema. Keine Sorge, diese werden erst sichtbar, wenn du noch einmal gezielt anklickst, dass du sie sehen willst. Ich habe sie mir angesehen und mir kamen die Tränen.

Neben der Marken gegen Mulesing-Liste hat Vier Pfoten auch ein internationales Markenranking erstellt. Dort haben sie 38 international tätige Modemarken hinsichtlich ihrer Maßnahmen gegen Mulesing bewertet. HIER geht’s zum Marken Markenranking.

Teilen, erzählen, helfen!

Bitte teile meinen Beitrag, erzähle deinen Freunden und Verwandten davon und helfe auch du mit, dass das grausame Mulesing bald der Vergangenheit angehört! Auch die Petition zu unterschreiben hilft, denn je mehr Menschen sich dagegen aussprechen, desto ernster wird es genommen, dass sich etwas ändern muss!

© FOUR PAWS

Speichere dir die 100-Marken-Liste ab und achte beim Einkaufen deiner Kleidung darauf, dass die Marke auch gegen Mulesing ist! Meide Marken, denen das Wohlergehen der Schafe egal ist.

Außerdem ist es hilfreich den Marken, die sich noch nicht zu 100 % verpflichtet haben, Mulesing-freie Wolle zu verwenden, zu schreiben und dazu aufzufordern, es zu tun! Und bitte nicht denken, dass bei einer E-Mail keine Veränderung stattfindet! Wenn 100 Leute je eine E-Mail schreiben ist das schon viel! Und erst recht, wenn es 1000 tun, oder 10.000…

Lasst uns gemeinsam helfen, den Schafen zu helfen!

Schriftzug Dani

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